Bargeldlos bezahlen in China

Bargeldlos bezahlen in China und warum Deutschland mal wieder Jahre hinterherhinkt.

Wenn man in Deutschland kleinere Einkäufe bei Tankstellen oder in Geschäften mit seiner EC-Karte bezahlen will, scheitert mal meist an dem Mindestumsatz. Es gibt kaum etwas so deutsches wie den Mindestumsatz beim Einkauf mit der EC-Karte. Besonders in Diskotheken, Restaurants und Cafes ist es ein beliebter Trick Kunden mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Oft wird die EC- oder Kreditkarte erst nach erreichen eines Mindestumsatzes akzeptiert. In China gibt es einen Mindestumsatz für die Bezahlung mit Karten nicht. Kein Geschäft würde auf den Gedanken kommen einem Kunden ein Paket Nundeln für 10 Yuan, oder umgerechnet 1,20 €, nicht zu verkaufen, nur weil nicht mit Bargeld bezahlen möchte. In China hat jeder eine Kreditkarte. Die Chinesen sind fast schon wie die Amerikaner und sie wollen alle Kreditkarten, die sie nur irgendwie bekommen können. Auch wenn er nicht wirklich kreditwürdig ist, bekommt er zumindest eine Prepaid Kreditkarte und eine Kundenkarte seiner Bank. Maestro kennt man in China nicht, hier heist das system China Union Pay. Der Kreditkartenwahn wurde vor kurzem reguliert. Bis dahin konnte selbst Studenten ohne eigenes Einkommen mehrere Kreditkarten besitzen. Im Zweifelsfall mussten die Eltern die Kartenkonten ausgleichen. Aber nicht nur Studenten lieben das einfache Geld. Wer in China ein Monatseinkommen von 4.000 RMB, umgerechnet 480,- €, hat, erhält von seiner Bank bereits einen Kreditrahmen von bis zu 100.000 RMB, also das 25 fache seines Monatseinkommens. Eine SCHUFA gibt es in China nicht. Auch ohne SCHUFA konnte sich China zum Motor der Welt entwickeln und kein anderes Land der Welt hat auch nur ein annährend hohes Wirtschaftswachstum wie China. Wenn man so will kann man die deutsche SCHUFA auch ein Wirtschaftsverhinderer nennen. Aber so sind halt die Deutschen. Viele denken immer noch die SCHUFA ist staatlich und unbedingt notwendig und schützt die deutsche Wirtschaft.

Zum persönlichen Kreditkartenwahn kommt in China noch die aufgezwungenen Kreditkarten. Autofahrer z.B., die die Autobahngebühren über das ETC-System, Electronic Call Collection, bezahlen möchten, können das nur über ausgewählte Konten bei bestimmten Banken machen. Auch manche Wohnanlagen zwingen manchmal ihre Bewohner zur Zahlung der Nebenkosten über Banken, mit denen diese zusammen arbeiten.

Da der Otto-Normal-Chinese unzählige Bank- und Kreditkarten hat, kann man an den Geldautomaten, regelmässig zum Monatsende ein erstaunliches Schauspiel erleben. Als würden die Chinesen Geldautomaten für Glücksspielautomaten halten, verbringen sie gefühlte Stunden mit Ein- und Auszahlungen zu. Natürlich muss jeder Einzahlung auch und Buchung nochmal kontrolliert werden. Kontoauszüge gibt es in China nicht. Richtig nervig wird es wenn sie dann noch eine Überweisung machen müssen. Die eigene Kontonummer und PIN Nummer muss eingegeben werden, dann die Zielkontonummer, beides natürlich zweimal. Es gibt auch Onlinebanking, aber die Chinesen scheinen den Automaten mehr zu vertrauen.

Die Chinesischen Banken stehen in einer hohen Konkurrenz zueinander und jede Bank bietet seinen Kunden andere Zusatzleistungen an. Je nachdem was man mit dem Konto machen möchte, gibt es für Aktien, Hauskredite, Fonds, Kredite jeweils unterschiedliche Banken, die darauf spezialisiert sind und besondere Angebote haben.
Chinesen wechseln überdurchschnittlich oft ihre Arbeitgeber.

Viele Arbeitgeber fordern für die Lohnzahlung ein Konto bei einer speziellen Bank, die nicht unbedingt eine Filiale in der Nähe der Wohnung hat. Arbeitsplatz und Wohnsituation spielt deshalb auch eine Rolle bei der Wahl der aktuell favorisierten Bank.

So haben die Chinesen im Laufe der Zeit eine Vielzahl von Bank- und Kreditkarten. Die Deutschen scheut dagegen einen Bankwechsel wie der Teufel das Weihwasser. Die Chinesen haben kein Problem damit und behalten meist auch ihre alten Bankverbindungen dauerhaft.

Die Deutschen suchen sich im Normalfall Ihre Bankverbindung wegen der Kontoführungsgebühr oder der Kosten bei Barabhebungen an EC-Automaten. Das spielt für die Chinesen keine Rolle bei der Wahl der Bank. Die Chinesen schauen eher nach Rabatten und speziellen Angeboten, die finanziell gesehen profitabler sind als eine Kontoführungsgebühr. Vor allem für die chinesischen Frauen spielen Rabatte eine grosse Rolle. Die Frauen verwalten traditionell das Familieneinkommen und wissen ganz genau welche Karte, welche Rabatte beim Einkauf gewährt. Sie verschenken beim Einauf nicht einen RMB, oder 0,12 €, und ein intelligenter Einsatz der verschiedenen Karten macht sich schnell bezahlt.

Kreditkarten, Frauen und essen. Eine wirklich geniale Kombination im Reich der Mitte.
Essen gehen in China ist nicht zu vergleichen mit dem sonntäglichen Restaurantbesuch in Deutschland. Im Gegenteil. Viele Chinesen kochen gerade mal so selten selber, wie die Deutschen in ein Restaurant gehen. Rabattkarten sind in China fast schon wieder out. Gute Restaurants bieten den Kunden Prepaid-Restaurant-Kreditkarten an. Auf diese Karte zahlt der Kunde ein Guthaben ein. Je nach Höhe der Einzahlung erhält der Kunde einen Rabatt. Je Höher das Guthaben, desto höher der Rabatt.

Chinas Banken sind unterschiedlich stark in den verschiedenen Regionen vertreten.

China ist ein Land von Nomaden. Die wenigsten leben und arbeiten dort, wo sie geboren wurden oder wo sie studiert haben und die Herkunft und die geographische Herkunft spielt auch eine Rolle bei der Wahl der Bank.
Ein schönes Beispiel ist die Agricultural Bank of China. Wie der Name erkennen lässt ist es die Sparkasse der ländlichen Gebiete. Hier gibt es meist keine Filialen der grossen Geschäftsbanken.

Durch die Urbanisierung des Landes und die damit verbundene Landflucht vor allem der jungen Chinesen verändern sich die Lebensumstände und auch die favorisierten Banken. Die Chinesen sind weit entfernt von Bankentreue und es würde ihm auch nicht einfallen seine Bank zu loben. Natürlich kennt jeder Chinese die Vorteile einer Volksbank oder Sparkasse. Trotzdem der gerade deshalb gibt es keine Bank seines Vertrauens.
Es ist nicht verwunderlich das man durch Veränderung der Aussprache, die Abkürzung des Bankennamens in lächerliche ziehen kann. Dabei bedient man sich, wie so oft, der unteschiedlichen Deutungsform der Schriftzeichen und deren Aussprache.
Bank of China, BC, wird so kein Sparguthaben.
Und selbst die Privatbank industrial and commercial Bank of China, ICBC, wird mit Geld sparen oder nicht, spielt keine Rolle, nicht weniger in den Dreck gezogen.

Bezahlt wird, vor allem in den modernen Städten Peking, Shanghai, HongKong und natürlich Nanjing generell gerne bargeldlos. Statt misstrauen in das Zahlungsmittel Plastikgeld zu schüren, wie in Deutschland, darf der chinesische Inhaber der Karte immer eigenverantwortlich mit seinen Karten umgehen.

Neben der Flut von Kreditkarten gibt es in China auch Multifunktionskarten für öffentliche Verkehrsmittel, mit denen man aber auch bargeldlos Taxen oder Einkäufe auf dem Nachhauseweg bezahlen kann. Diese funktionieren selbstverständlich berührungslos. Einmal aufgeladen kann die Karte universell eingesetzt werden.

Die Situation, überhastet U-Bahnkarten oder Buskarten kaufen zu müssen und sich in eine der endlosen Schlangen einreihen zu müssen, ist junge Chinese unvorstellbar und eine Horrorvorstellung. Es kostet wertvolle Lebenszeit. Im öffentlichen Verkehrsraum hebt die moderne Chinesin einfach ihre Handtasche über eine elektronische Schleuse oder das Zahlungsterminal und Männer kramen maximal ihren Geldbeutel aus der Gesässtasche.

In Deutschland werden Smartphone Bezahlsystem misstrauisch beäugt. In China ist das schon ein alter Hut. Es wird wohl nicht mehr lange dauern bis Parkplatzwärte, Rikschafahrer und Bettler alle Kreditkarten für die Bezahlung von 10 oder 50 Cent akzeptieren werden.

In Deutschland haben wir das Phänomen, das die Verweigerung der Kreditkartenzahlung oft mit den zu zahlenden Gebühren begründet wird. Wenn aber über eine Milliarde Menschen jeden Tag Buchungen von unter einem Euro verursachen, ohne das die chinesischen Banken oder Händler darunter leiden dann machen die deutschen Banken und die deutschen Händler irgendetwas falsch.

Dass die chinesischen Banken wesentlich kundenfreundlicher sind möchte ich nebenbei ebenfalls bemerken. Den Karten-PIN einer Bankkarte oder Kreditkarte kann der Kunde selber festlegen und wenn er Spass daran hat jeden Tag ändern. Das System kenne ich bereits von den schweizer Banken, die Deutschen Banken bieten das nicht an. Er benötig dafür nur einen EC-Automaten seiner Bank.

Einzahlungen an EC-Automaten ist genauso selbstverständlich wie Abhebungen und die EC-Automaten finden sich an jeder Ecke. Allein zwischen 2007 und 2009 stieg die Anzahl der EC-Automaten von 50.000 auf 245.000 Stück. In Deutschland gibt es rund 50.000 Stück.
In den Shopping Malls hat der Chinese die freie Auswahl an EC-Automaten. Ist keiner seiner Bank dabei, kann er einen der anderen 10 grossen chinesischen Geldinstitute wählen. Auch hier muss man sich wundern. In Deutschland heist es die Aufstellung von EC-Automaten sei unrentabel.

Es ist schlicht die Verbortheit, die in Deutschland den flächendeckenden Einsatz von elektronischen Zahlungsmitteln verhindert. Genauso unsinnig ist ein Mindestumsatz von 10,- oder 20,- €.

Es bleibt als Fazit, das das Schwellenland, manche halten China ja sogar immer noch für ein Entwicklungsland, der deutschen Industrienation in Karten- und Systemtechnik haushoch überlegen ist.

Der Chinese und auch die deutschen Expats können da nur verwundert den Kopf schütteln.
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3 Comments

  1. Ich bin gerade einige Monate in den USA, quasi dem Land der elektronischen Zahlungsmittel.

    Hier wirst Du anhand Deiner Kreditkarte getrackt, ein Freund wurde gestern in einer Art Media Markt als Stammkunde erkannt.

    Letzte Woche hat mir jemand stolz erzählt, dass er keine Kreditkarte mehr hat, nur noch Prepaid. Er meinte, dass Kreditkarten für schlechte Budget-Haltung verantwortlich wären.

    Ich bin also ehrlich gesagt froh, dass in Deutschland weiterhin Bargeld König ist. Dafür haben wir in ganz Europa ein modernes Bankensystem, von dem die US-Amis nur träumen können.

    Auch finde ich es problematisch, wenn Barzahler und Überweiser die Gebühren für EC-Karten und Kreditkarten quersubventionieren sollen, indem alle Preise erhöht werden.
    Florian kürzlich veröffentlicht…Mit Stockfoto-Reisebildern 400 Euro im Monat verdienenMy Profile

  2. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass unterschiedliche Zahlungsmöglichkeiten auch weiterhin vorhanden sind und nicht alles bargeldlos funktioniert. Sicherlich ist es in vielen Bereichen ärgerlich, wenn Deutschland hinter her hängt, aber in diesem Fall bin ich auch froh, dass man hier immer noch die Wahl hat, auf welche Zahlungsmethode man zurückgreifen möchte.

    • Dirk Wiethuechter

      Da stimme ich Dir voll und ganz zu. Ich finde aber auch die Möglichkeit per App auf dem Smartphone zu zahlen eine tolle Sache…Alipay und Co, vom Alibaba Konzern sind in China schon sehr verbreitet.

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