Das sagenumwobene Varadero (map), wo es bis zum ersten großen Crackdown irgendwann Ende der 90er Jahre richtig abging, wollte ich mir unbedingt mal wieder ein paar Tage antun – was ich auch gemacht habe. Schon auch deshalb, weil es hier die schönsten Strände Kubas – und der Karibik überhaupt – geben soll.

Ursprünglich war es eine meiner Überlegungen, evtl. gleich bis Varadero zu fliegen (sie haben einen eigenen Airport in 20 km Entfernung, seit 1993), dort für ein paar Tage eins der AI (“All Inclusive”) Hotels zu nehmen und dann nach Havanna zu fahren, um dort den Löwenanteil des Urlaubs zu verbringen. Zum Glück habe ich es so nicht gemacht, es wäre schlicht überflüssig und umständlich gewesen. Die andere Variante, Flug nach Havanna und dann mit dem Taxi einen Abstecher auf die ewig lange Halbinsel zu machen, erwies sich als die bessere Variante.

Ja, in Varadero muss wirklich die Post abgegangen sein damals. Horden von Chicas belagerten die Strände, Straßen und Bars…

Das ist leider Geschichte. Irgendwann hat der böse, alte Mann eine Schranke am Eingang der Halbinsel installiert und nun wird alles und jeder kontrolliert. Die vielen Bediensteten, die in den Hotels usw. arbeiten, müssen jeden Morgen und jeden Abend das Stück über die Brücke laufen, damit sie besser kontrolliert werden können. Als Kubaner, der dort nicht arbeitet, kommt man erst gar nicht rein. Daher gibt es praktisch keine Chicas an den Beaches usw. Aber kein Vergleich zu früher und insgesamt, verglichen mit Restkuba, einfach nur trostlos.

“Wird es morgen regnen?” fragt der Tourist einen Einheimischen. “Natürlich nicht” lautet lakonisch die Antwort, “Varadero ist CUC Sonderzone”. Der schwarze Humor der Cubis ist allgegenwärtig, wenn auch normalerweise hinter vorgehaltener Hand. Denn wenn jemand aus dem Spruch “Socialismo o Muerte!” (“Sozialismus oder Tod!”) angesichts der vielen waghalsigen und oft tödlich endenden Fluchtversuche vieler Kubaner übers offene Meer in irgendwelchen Badewannen und selbstgezimmerten Flößen nach Florida “Miami o Muerte!” (“Miami oder Tod!”) macht, darf mit ernsthaften Konsequenzen rechnen. Ihren Humor lassen sich die Kubaner trotzdem nicht verbieten.

Ja, es stimmt, Varadero ist noch weniger Kuba, als Pattaya Thailand. Wer nur Varadero kennt, hat von den Nöten und Sorgen der Kubaner nichts mitbekommen und war in Wirklichkeit gar nicht in Kuba. Hier gibt es mehr in den Geschäften als anderswo, alles ist sauber, aufgeräumt und neu. Den Einheimischen geht es deutlich besser als im Rest der Insel. Schöne, heile Urlaubswelt. Das Entenhausen der Karibik.

Was wir (und viele Cubis) wollen ist hingegen klar, nämlich dass einer diese Schranke abreißt und jeder tun und lassen kann, was er will. Wie es momentan aussieht, ist es gar nicht so illusorisch, dass dieser Fall sehr bald eintreten könnte.  

 

Anreise

Die Anreise aus Havanna ist ein Klacks. Die ca. 130 km (map) lassen sich über sehr gute Straßen mit dem Taxi in etwa 90 – 120 Minuten  bequem bewältigen. Ich habe diese bequemste Variante gewählt und 90 CUC bezahlt. Auch per Viazul Bus (10 CUC) ist man schnell dort, so man ein Ticket bekommt (rechtzeitig drum kümmern). Mit dem eigenen Mietwagen geht es selbstverständlich auch, aber nur für Varadero braucht man erst recht kein eigenes Auto – das ist überdimensioniert.

Der Vorteil beim Taxi war für mich, dass mir der Fahrer versprach, mir in Varadero bei der Casa Suche behilflich zu sein. Ich hatte dafür einen ausgesucht, der passabel Englisch sprach.

 

Wohnen

Ich kam also zügig in Varadero an. Zuerst habe ich mir das Hotel Pullman angesehen, dessen Beschreibung und Adresse ich aus dem Reiseführer hatte. Es ist zentral gelegen, bezahlbar und eher ein kleines Haus. Nicht zu vergleichen mit den teils riesigen AI Häusern. Wen es interessiert, es liegt Ecke Calle 49 (map).

Ich wollte ein Doppelzimmer, welches mit Frühstück ca. 50 CUC kosten sollte, ansehen. Den Schlüssel müsse man erst holen, er sei an der Rezeption eines angeschlossenen Hotels. Entweder typisch Kuba (gelähmt, oder?), oder eine Ausrede, um mich abzuwimmeln. Ich sah mich um. die Anlage war mir eigentlich eh zu klein und die Leute dort glotzen irgendwie nur blöd. Dann sollen sie halt selbst drin wohnen, dachte ich, und schaute mir drei Casas Particulares an.

Hotel Pullmann Varadero oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

Diese waren problemlos zu finden, hier im “Zentrum” des Örtchens gibt es etliche. In diversen Reiseführern las ich, dass das mit den privaten Casas relativ neu sei und es nur ca. 20 von ihnen gäbe. Das ist nicht so, es gibt deutlich mehr. Ich sage einfach mal grob eine Zahl: 50 – 100. Ich habe laufend entsprechende Schilder gesehen und die meisten waren frei.

Die Casas kosten in Varadero in etwa das gleiche oder weniger als in Havanna. Ich zog schließlich in eine ein, die 25 CUC kostete, das Frühstück fünf CUC/Nase. Das war eine gute Entscheidung, hier war es zentral, ruhig (Ende einer Stichstraße), die Señora nett und das Essen gut. Sie kochte auf Wunsch abends, was zwischen 8 und 12 CUC kostete und lecker war. Sie wusch und bügelte auch gegen kleines Geld die Klamotten.

Casas particulares in Varadero oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

 

Casa particulare in Varadero oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

Das Zimmer war nicht gerade riesig, genügte mir aber für die paar Tage völlig. In dem Bett habe ich prima geschlafen. Das Bad war OK, viel heißes Wasser mit entsprechendem Druck. Die Küche mit Fridge usw. konnten man mitbenutzen, dort habe ich aber nur gegessen. Außerdem konnte man prima auf der Veranda sitzen.

Die AI Hotels in Varadero können u.U. durchaus eine Alternative sein, wenn man drauf steht – 1992 bei meiner ersten Reise hierher habe ich in einem LTI Hotel gewohnt. Man kann sie überall einchecken, ich würde allerdings von Havanna aus buchen. Ich habe mir das eine oder andere von innen angesehen. Gut gefallen hat mir das “Melia Varadero” (map), das ist sicher nicht billig, aber die Anlage ist TOP und die Zimmer sollen schön sein (ein Kollege berichtete mir). Allerdings liegt es etwas abseits. Aber wer in den AI Hotels wohnt, muss eh fahren, wenn er ins “Zentrum” will – sofern er es überhaupt will oder muss. Die AI Hotels heißen ja nicht umsonst so und die angeschlossenen Strände sind meist ganz schön. Im Melia Varadero war ich übrigens jeden Tag für Internet – es ist die einzige Möglichkeit in Varadero, mit dem eigenen Notebook online zu gehen. Sie haben natürlich auch PCs. WIFI funzt gut, kostet aber 10 CUC/h (minutengenau, Restguthaben wie üblich weiter verwendbar). In der Nähe des Hotels ist die größte Shopping Mall Varaderos, die kann man sich allerdings völlig schenken.   

Melia Varadero oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

 

Melia Varadero oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

Mileia Varadero oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

 

Besonders schön ist der Strand am “Villa Cuba” (map) – nach der Aussage Einheimischer der schönste Beach in Varadero. Die Anlage ist groß, weitläufig und man hat alles. Schöne, große Pools – wer’s braucht bei dem Strand?

Villa Club Varadero oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

Mahlzeit

Für Essen ist gesorgt in der CUC Sonderzone. Es gibt etliche Restaurants, vom Rapido, der auch hier nicht fehlen darf, über ein oder zwei 24/h Imbisse bis zu Cafés und Restaurants für gehobenere Ansprüche.

Mein Favorit war klar das “La Casona Del Arte”. Tolles Essen, lieber Service, man sitzt schön, wenn man will, auch draußen auf der Terrasse im 1. Stock. Calle 47 No 6 Ecke “Beachroad”.

Leckere Pizza – aber nicht nur – im “Nonna Tina”. Gute italienische Küche. Calle 38 No. 5 Ecke “Beachroad”. Ist oft voll.

Es sei an dieser Stelle nochmals auf den Reiseführer von Wolfgang Ziegler verwiesen, auch für Varadero findet man in ihm sehr viele Restaurant Tipps, aber auch alle anderen relevanten Hinweise und Adressen.     

 

Beaches

Varaderos Strände. Unendliche Weiten. Konfektionsgrößen kann man das ja nicht mehr nennen.  Oder: Ein Fass ohne Hoden – alle drei Meter…  

Vamos a la Playa! Varadero habe die schönsten Strände Kubas und sogar der ganzen Karibik, liest man gelegentlich. Das kann ich leider nicht teilen. Mag vielleicht auch an der Saison/Wetter gelegen haben. Aber die Playas del Este in Havanna, die Haus- oder Stadtstrände der Metropole, fand ich persönlich mindestens genau so schön. Auch bei gleichem Wetter. Die Strände in Varadero können denen in der Dominikanischen Republik das Wasser nicht reichen – bei Weitem nicht!

Sicher ist es hier trotzdem ganz schön zum Baden, Abhängen, Relaxen – für ein paar Tage. Aber soooo toll sind sie wirklich nicht, die Strände. Und in Verbindung mit dem Umstand, dass Varadero eigentlich gar nicht wirklich Kuba ist und zudem hier auch überhaupt nichts los oder zu sehen ist, ist ein reiner Varadero Urlaub irgendwie für die Tonne. Kulinarisch ist die Isla ja auch nicht gerade ein dermaßen riesiges Highlight, dass man das als Pluspunkt verbuchen könnte. Es sei denn, man reist als Pärchen an und will sich nur mal ein paar Tage erholen. Das geht weltweit sicher in allen gut geführten AI Hotels (so es diese gibt), warum nicht auch in Varadero. Ich würde dazu allerdings näher gelegene Reiseziele vorziehen, z.B. die Kanaren, Madeira oder von mir aus Malle.

Beach Varadero oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

 

Varadero Strandansicht oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

So ist denn auch das Publikum in Varadero: Neckermann Welt.

 

Unterwegs ins Varadero

Ja, auch hier gibt es sie, die Bustour für 5 CUC/Tag. Aber nein, “An unforgettable trip” würde ich das nicht gerade nennen. Es ist vielmehr eine billige Möglichkeit, die langgestreckten Entfernungen auf der Halbinsel zu  überbrücken.

Und als diese wird sie auch von den vielen AI Touristen wahrgenommen, so sie sich denn mal aus dem Hotel trauen. Der Bus fährt immer rauf und runter, was anderes bleibt ihm schließlich auch nicht übrig… das “Sightseeing” besteht zum größten Teil aus der uninteressanten, befestigten Küste landseitig und dem Abklappern der vielen Hotels. Die Haltestellen sind durchnummeriert.

Varadero ist sehr übersichtlich, was die Benennung der Straßen angeht, es gibt keine Straßennamen, sondern Nummern, was praktisch ist.

Unterwegs in Varadero oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

Im Örtchen selbst gibt es diverse Einkaufsmöglichkeiten mit kleinen Geschäften, die üblichen Trödel- und Souvenirshops dürfen nicht fehlen sowie so etwas wie eine Shopping Mall, wo man alles für einen Badeurlaub Notwendige erstehen kann. Beim Melia Varadero gibt es noch eine große Mall, die “Plaza America”, großartig was anderes zu kaufen gibt es da aber nicht, den Besuch kann man sich schenken.

Shopping in Varadero oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

Varadero oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

Als Taxis fungieren auch in Varadero eine Mischung aus Oldtimern, gelben Touritaxen und den dreirädrigen “Taxi-Eiern”.

Abends unterwegs: die Zeit zwischen Abendessen und Disse kann man sich z.B. mit Bowling vertreiben, es gibt mehrere Anlagen, die von mir besuchte war allerdings katastrophal. Klar, alle mit Straßenschuhen auf der Bahn und die Kugeln hatten alle Macken, s.d. man eher würfelt mit den Dingern, als dass sie rollen. Egal, just for fun.

In den diversen Discos geht es spät los, “Havana Club” (map) scheint momentan, oder auch schon seit 40 Jahren, der angesagteste. Andere, wie der “Mambo Club” (map) sind an den Wochenenden aber auch gut frequentiert. Das wechselt wie überall schnell, am besten fragt man Einheimische nach der gerade angesagten Disse. 99% der Besucher sind Touristenpärchen und -gruppen.

Touristendisco in Varadero oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

 

Ausflüge in die Umgebung

Da Varadero doch kleiner und ereignisloser ist als ich es mir vorgestellt habe bzw. mich erinnert habe , wurde es schnell langweilig. So beschloss ich kurzerhand, ein Taxi anzuheuern, um mich nach Cardeñas (map) fahren zu lassen. In dem Städtchen wohnen die meisten der Angestellten, die einen der begehrten (Trinkgeld) Jobs in Varadero ergattert haben. Ansonsten ist das Kapitel schnell abgehakt, wenn man sich nicht für alte Kirchen oder historische Orte wie die Stelle, wo Kubas Flagge zum ersten Mal gehisst wurde, interessiert. Auch sieht man hier wieder verfallene und halbverfallene Fabrikgebäude und Anlagen. Habe nette Leute getroffen, wie überall in Kuba.

Ausserhalb von Varadero oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

 

Matanzas

Mit dem Taxifahrer kam ich gut klar, er sprach sehr gut Englisch, so legte ich zu den 20 vereinbarten Peso noch 30 drauf (natürlich alles incl. der Rückfahrt) und wir fuhren weiter nach Matanzas (map), der Provinzhauptstadt.

Doch zuerst hielten wir an einem Fluss und ich machte einen kurzen Trip mit einem Ruderboot zu irgendwelchen Ruinen. Nein, ich musste nicht selbst rudern, die fünf CUC wollte sich unbedingt jemand verdienen. Nett, aber vernachlässigbar. An diesem Ort machen Kubaner Urlaub, es gibt spartanisch eingerichtete Campinghütten für kleines Geld, man kann grillen und im Fluss baden.

Matanzas Kuba oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

Matanzas Kuba oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

Matanzas Kuba oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

Matanzas Kuba oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

Matanzas Kuba oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

 

 

Matanzas ist eine schöne Stadt, sie liegt um eine nach ihr benannte Bucht herum in etwas hügeligem Gelände. An einer Stelle mit einer Kirche und gutem Ausblick hielten wir kurz und ich quälte meine Cam etwas. Da es an der Zeit war, lud ich alle zum Essen ein. Der Taxler brachte uns zu einem Paladar, den er schon einmal besucht hatte. Das Essen war sehr gut und bezahlbar. Schließlich machten wir uns auf den Rückweg nach Varadero.

Varadero oneandahalfman deutschsprachiger Reiseblog

 

Am Tag darauf war die kurze Zeit in Varadero beendet und ich fuhr allein mit dem Taxi zurück nach Havanna, wo meine alte Casa auf mich wartete, die ich bereits vor dem Trip nach Varadero erneut gebucht hatte. Die Fahrt dauerte nur 90 Minuten.

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Ich bin Jahrgang 1970 und lebe seit 2014 in China. Seit mittlerweile über 20 Jahren bin ich Unternehmer und u.a. Gründer von ONEANDAHAHFMAN. Ich bin entschlossen und zielstrebig dabei meinen ganz persönlichen Traum wahr werden lassen – ortsunabhängiges leben und arbeiten. Schon früh entdeckte ich die Faszination des Reisens. Viele Auslandsaufenthalte in verschiedenen Teilen der Welt haben mich mehr und mehr für das Thema ´Ausland und Auswandern` sensibilisiert. Eine Option Ausland ist inzwischen auch Teil meiner eigenen Lebensplanung geworden.
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Ich bin Jahrgang 1970 und lebe seit 2014 in China. Seit mittlerweile über 20 Jahren bin ich Unternehmer und u.a. Gründer von ONEANDAHAHFMAN. Ich bin entschlossen und zielstrebig dabei meinen ganz persönlichen Traum wahr werden lassen – ortsunabhängiges leben und arbeiten. Schon früh entdeckte ich die Faszination des Reisens. Viele Auslandsaufenthalte in verschiedenen Teilen der Welt haben mich mehr und mehr für das Thema ´Ausland und Auswandern` sensibilisiert. Eine Option Ausland ist inzwischen auch Teil meiner eigenen Lebensplanung geworden.
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