Viele Deutsche haben mittlerweile ein extrem verzerrtes Bild vom Unternehmertum. Durch Internet Gurus propagiert, denke viele, das man problemlos passiv Geld verdienen kann. Das schadet allen Unternehmern! Vielmehr ist es meiner Meinung nach so, das 95% aller angehenden digitalen Nomaden weniger als 100,- € pro Monat auf diese Weise verdienen und spätestens nach 6 Monaten entnervt und verzweifelt aufgeben.

Seit Mitte der 90er Jahre habe ich zunächst als Angestellter im Vertrieb und ab 98 als Unternehmer gearbeitet. 2001 habe ich die Branche gewechselt und bin in dieser seitdem tätig. Eins habe ich in all der Zeit gelernt. Man muss auf Marktveränderungen reagieren, d.h. auch mal Produkte aus dem Sortiment nehmen und immer die Augen nach neuen Möglichkeiten offen halten. Zum Beispiel hatte ich bis zu meinem Umzug nach China einen gut funktionierenden Gartenmöbelshop mit hochpreisigen PVC Rattan Möbeln. Als die grossen Baumarktketten anfingen ähnliche Möbel teilweise für den halben Preis ins Sortiment zu nehmen, war für mich die Zeit gekommen diesen Shop einzustellen. 

Viele träumen davon, das ihnen der Erfolg über Nacht und ohne Anstrengung zufliegt. Aus diesen Träumen gibt es recht bald ein böses Erwachen. Als ich 2001 in einer neuen Branche anfing, fuhr ich im Jahr 180.000 Kilometer mit meinem PKW zu Kunden, Kaltaquise und Bestandkundenbesuche. Dazu war ich in den ersten Jahren sowohl als Besucher als auch als Aussteller auf den grossen Branchenmessen in Nürnberg und Verona. Ab 2009 hat sich meine Vertriebsmethode radikal geändert und meine Geschäfte wickel ich zu 99% online ab. Aber wie gesagt, dass geht nicht von heute auf morgen, sondern hat sich im Laufe der Zeit so entwickelt. Der positive Nebeneffekt ist, das ich das aufwachsen von Patrick täglich miterleben darf und nicht nur am Wochenende, wie es bei vielen Unternehmern leider der Fall ist.

Mir könnte es kaum besser gehen, während ich diesen Blogartikel schreibe.

Als Hauptgang ein Steak vom japanischen Kobe Rind und als Nachspeise gönne ich mit ein mit feinstem Blattgold verziertes Stück Schokokuchen. Sobald ich mit der harten Arbeit des Schreibens fertig bin, werde ich mich in meinem privaten Pool erholen und mir zu Entspannung ein paar Cocktails oder wahlweise kühle Biere gönnen. (Ironie off)

Viele Deutsche glauben tatsächlich das es so zugeht. Viele Coaches posten ja ständig Artikel und Youtube Videos aus Dubai, Zypern oder Südostasien. Natürlich darf ein standesgemässer Ferrari nicht fehlen, es muss ja angemessen pompös zugehen.

Passend dazu hat die SPD vor kurzem für den Erhalt des Solidarzuschlages für Spitzenverdiener geworben und eine entsprechende Kampagne gestartet.

Nicht die Forderung an sich stört mich, sondern die Darstellung des Spitzenverdieners. Er verdient sein Geld nicht durch eine 60 bis 80 Stunden Arbeitswoche sondern wie am Fliessband und am liebsten noch passiv. Ihm bleibt gar nichts anderes übrig bei seiner ganzen Freizeit als sich auf einer Sonnenliege zu entspannen und gemütlich einen Cocktail zu schlürfen. 

Was hier zum Vorschein kommt ist ein verzerrtes Bild von erfolgreichen Unternehmern und hat mit der Lebenswirklichkeit kaum etwas zu tun.

Klar gibt es erfolgreiche Unternehmer denen es gelingt ihr Start-Up Unternehmen erfolgreich zu skalieren und dann erfolgreich zu verkaufen. In Deutschland kann man diese Personen womöglich an einer Hand abzählen.

Schon wieder eine Neid Debatte?

Ich sehe es häufig, wenn es um das Wachstum von jungen Unternehmen und Start-Ups geht. Anstatt sich über den Erfolg zu freuen, stellen viele gleich die Frage: “Hat er das denn verdient?” Viele unterstellen dem Unternehmer schlicht, dass er Glück habe. Die Unterstellung ist leichter als die Vermutung, das er schlicht sehr viel geleistet hat. 

Ich komme nicht aus einem Unternehmerhaushalt. Für mich ist das Unternehmertum eine fantastische berufliche Möglichkeit für die ich auch bereit bin, viel zu Leisten. Wir brauchen ein realistisches Bild davon, was es bedeutet, ein Unternehmen zu gründen, zu führen und weiterzuentwickeln. Dazu gehört, gerade in der Anfangszeit, sehr viel Fleiss und die Bereitschaft viel unterwegs zu sein. Keiner hat gesagt, dass es einfach ist, sonst gäbe es ja nur noch Unternehmer und keine Angestellten mehr. 

Und selbst wenn dann ein erfolgreicher Unternehmer mal in der Sonnenliege liegt, was spricht denn dagegen?

Ein wichtiger Punkt ist in meinen Augen auch die Frage:

“Baut jemand sein Unternehmen aus eigenen Mitteln auf oder gibt es Investoren im Hintergrund?” Ich habe mein Unternehmen als „Bootstrapping“ (Gründung ohne Eigentkapital) gegründet und erfolgreich aufgebaut.

Ich bin der Überzeugung das auch heute noch eine erfolgreiche Unternehmensgründung möglich ist. Man sollte sich aber nicht den Blick auf die Tatsachen durch unseriöse Internet Coaches vernebeln lassen.

Mit 48 Jahren bin ich in der glücklichen Situation in Robert Kyosakis (Autor des Bestsellers: “Rich dad – poor Dad”) cashflow quadranten in der 4. Stufe angekommen zu sein. Für die die das noch nicht kennen. Laut Kyosakis gibt es 4 Stufen sein Geld zu verdienen. Ich habe alle 4 Stufen durchlaufen. Man startet in der Regel als Angestellter der weisungsgebunden für seinen Arbeitgeber tätig ist, danach kommt der Selbständige, der alleine und ständig arbeitet. Dann kommt der Unternehmer mit mehreren Angestellten und weiterhin leitender Funktion. Und zu guter letzt kommt der Investor, der sein Geld arbeiten lässt und sich aus dem operativen Geschäft zurückzieht. 

Mein Fazit:

Jeder hat einen Markenkern. Die Frage ist, was wir daraus machen.

 

 

 

Ich bin Jahrgang 1970 und lebe seit 2014 in China. Seit mittlerweile über 20 Jahren bin ich Unternehmer und u.a. Gründer von ONEANDAHAHFMAN. Ich bin entschlossen und zielstrebig dabei meinen ganz persönlichen Traum wahr werden lassen – ortsunabhängiges leben und arbeiten. Schon früh entdeckte ich die Faszination des Reisens. Viele Auslandsaufenthalte in verschiedenen Teilen der Welt haben mich mehr und mehr für das Thema ´Ausland und Auswandern` sensibilisiert. Eine Option Ausland ist inzwischen auch Teil meiner eigenen Lebensplanung geworden.
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Ich bin Jahrgang 1970 und lebe seit 2014 in China. Seit mittlerweile über 20 Jahren bin ich Unternehmer und u.a. Gründer von ONEANDAHAHFMAN. Ich bin entschlossen und zielstrebig dabei meinen ganz persönlichen Traum wahr werden lassen – ortsunabhängiges leben und arbeiten. Schon früh entdeckte ich die Faszination des Reisens. Viele Auslandsaufenthalte in verschiedenen Teilen der Welt haben mich mehr und mehr für das Thema ´Ausland und Auswandern` sensibilisiert. Eine Option Ausland ist inzwischen auch Teil meiner eigenen Lebensplanung geworden.
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