Am 19.03.2015 war TeNeNe´s (Patricks Uroma) 4. Todestag. Sie hat Patrick leider nicht mehr kennengelernt, wusste aber das er unterwegs war, als sie starb.

Da der Todestag in der Woche lag, sind wir erst am Samstag mit allen Verwandten in 3 Autos, zum Friedhof ausserhalb der Stadt gefahren.

Unkraut jäten, Blumen wässern, Wege harken – oder einfach ein paar Minuten stilles Gedenken: Dass viele Menschen regelmäßig den örtlichen Friedhof besuchen, bin ich aus Deutschland gewohnt. In China dagegen tragen die Friedhöfe ihren Namen wirklich zu Recht, denn normalerweise verirrt sich kaum jemand dort hin.

Der Friedhof liegt 2 Stunden Fahrzeit ausserhalb der Stadt und ich habe mich bis jetzt 4 Jahre lang gefragt, warum die Familie diesen und nicht einen näher am Wohnort gelegenen Friedhof ausgesucht hat. Heute habe ich es erfahren. Es liegt an der Lage. Im Vordergrund ein (künstlicher) See und im Hintergrund sanfte Hügel. Das ist für Chinesen die ideale Lage für einen Friedhof.

Ideale Lage eines chinesischen Friedhofs

Ideale Lage eines chinesischen Friedhofs

Die Grabstätten werden in China für 7 Jahre gepachtet, in Deutschland in der Regel für 20 Jahre.

Es gibt viele Tage in China an denen der verstorbenen Familienangehörigen Gedacht wird, zum chinesischem Frühlingsfest, am Todestag und am  Qingming Festtag, auch Grabreinigungstag genannt. Der Qingming Festtag fällt normalerweise rund um den 5. April im traditionellen chinesischen Kalender. An dem Tag des Grabfegens, auch Shang Fen im Chinesischen genannt (ein Grab zur Erinnerung an die Toten zu besuchen), ist die wichtigste Tätigkeit das darbieten von Opfergaben zur Verehrung der Vorfahren.

Ahnenverehrung ist von zentraler Bedeutung für den Volksglauben, der sich in China munter mit taoistischen und buddhistischen Bräuchen mischt. Die Geister der Vorfahren beobachten aus dem Jenseits das Treiben ihrer Nachkommen und sehen es gerne, wenn die sich um sie kümmern. Neben Gebeten gehört dazu auch das Finanzielle, denn im Jenseits geht es zu wie auf Erden – ohne Moos ist nichts los.

Also sorgen die Chinesen für Nachschub und verbrennen bündelweise „Geistergeld“ – dicke gelbe Papierscheine, die als Rauch aufsteigen und so bei den Ahnen ankommen.  Die Scheine sind noch bunter als Monopoly-Geld und sind mit dem Bild des Jade-Kaisers, des Kaisers der Unterwelt verziert.

Der Jade Kaiser, Herrscher der Unterwelt

Der Jade Kaiser, Kaiser der Unterwelt

Geister- oder Höllengeld

Geister- oder Höllengeld

Es muss aber auch gesagt werden, dass im Asiatischen “Hölle” nicht so negativ belegt ist wie bei uns, sondern generell die Nachwelt beschreibt. Irgendwie eine ganz angenehme Vorstellung finde ich, nicht der christliche Himmel oder die Hölle. Dafür gibt es allerdings gute und böse Geister, also immer schön bei Laune halten die lieben Geister.

TeNeNe wird wieder gut versorgt

TeNeNe wird wieder gut versorgt

Nach dem selben Prinzip trägt übrigens beim Gebet der Qualm von Räucherstäbchen die Gedanken nach oben. Auch beim Gräberputzfest entzündet jede Familie nach getaner Arbeit ein Feuer, und über den Friedhöfen stehen dichte Rauchschwaden.

Auch unsere TeNeNe bekam wieder reichlich Geistergeld, -gold und -silber und auch 8 Portionen leckere Gerichte und eine Flasche Mineralwasser auf Ihre Grabstelle gestellt. Neben dem materiellen Bedürfnisse werden auch die leiblichen versorgt, da man ja nur in einer anderen Ebene ist, aber nach wie vor dieselben Bedürfnisse hat wie ein Lebender.

Wer es sich leisten kann, lässt bei spezialisierten Papier-Handwerkern alles anfertigen, was der Verstorbene im Jenseits gebrauchen kann. Von Kleidung und Schmuck über den noblen PKW bis zum kompletten Miniatur-Modellhaus samt Einrichtung wird alles liebevoll gebastelt, um dann verbrannt zu werden. Sogar Mobiltelefone, Notebook-Computer und iPads aus Papier sind mittlerweile im Angebot. Der technische Fortschritt macht in China auch vor der Religion nicht halt.

Hier sind die Häuser ganz gut zu erkennen

Hier sind die Häuser ganz gut zu erkennen

Tief in der chinesischen Geisterwelt braut sich eine Inflationskrise zusammen, bei der Zentralbankern ein Schauer über den Rücken laufen würde. Die Geistergeld-Drucker werden immer weniger maßvoll: Der Wert der größten Scheine ist in den vergangenen Jahrzehnten auf Millionen- und sogar Milliardenbeträge gestiegen. Der Grund: Die Nachfahren glauben, dass ihre verstorbenen Verwandten mehr Geistergeld brauchen, um sich moderne Luxusgegenstände wie Eigentumswohnungen und iPads leisten zu können. Letztes Jahr tauchte in Nanjing bei den Händlern die Opfergaben für die Toten verkaufen erstmals auch ein ellenlanger Schein im Wert von einer Billion auf. Es mache jedoch auch noch Sinn, kleinere Scheine zu verbrennen. „Die Geister brauchen auch Kleingeld, um ihre täglichen Besorgungen zu machen”

Die Inflation in der Unterwelt ähnelt der Entwicklung im wirklichen Leben vieler Chinesen. Seit einigen Jahren steigen die Preise in China spürbar.

 

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Ich bin Jahrgang 1970 und lebe seit 2014 in China. Seit mittlerweile über 20 Jahren bin ich Unternehmer und u.a. Gründer von ONEANDAHAHFMAN. Ich bin entschlossen und zielstrebig dabei meinen ganz persönlichen Traum wahr werden lassen – ortsunabhängiges leben und arbeiten. Schon früh entdeckte ich die Faszination des Reisens. Viele Auslandsaufenthalte in verschiedenen Teilen der Welt haben mich mehr und mehr für das Thema ´Ausland und Auswandern` sensibilisiert. Eine Option Ausland ist inzwischen auch Teil meiner eigenen Lebensplanung geworden.
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Ich bin Jahrgang 1970 und lebe seit 2014 in China. Seit mittlerweile über 20 Jahren bin ich Unternehmer und u.a. Gründer von ONEANDAHAHFMAN. Ich bin entschlossen und zielstrebig dabei meinen ganz persönlichen Traum wahr werden lassen – ortsunabhängiges leben und arbeiten. Schon früh entdeckte ich die Faszination des Reisens. Viele Auslandsaufenthalte in verschiedenen Teilen der Welt haben mich mehr und mehr für das Thema ´Ausland und Auswandern` sensibilisiert. Eine Option Ausland ist inzwischen auch Teil meiner eigenen Lebensplanung geworden.
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