Nanjing für Anfänger. Nanjing war schon die Hauptstadt von China als es Peking noch gar nicht gab. Die alte Hauptstadt ist ideales Reiseziel für China Anfänger.

Alle Sehenswürdigkeiten sind per U-Bahn erreichbar, ein Park oder Naherholungsgebiete nie weit. Die Stadt überfordert auch Neulinge nicht.

Das Nebeneinander von traditionellen Tempeln und glänzenden Wolkenkratzern dazu das ambiente einer Garten- und Residenzstadt im Dornröschenschlaf macht Nanjings Reiz aus. Das Zentrum der Macht in China ist nach Beijijng weitergezogen und man kann Nanjng ein bisschen mit Bonn nach dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin vergleichen.

Zwei sitzende Löwen mit wallender Lockenmähne demonstrieren rechts und links des Wegs Stärke, zwei stämmige Elefanten beweisen Standhaftigkeit, und zwei Einhörner spüren das Böse dahinter auf. Nach chinesischer Tradition werden Letztere eigentlich nur in Zeiten guter Regierung sichtbar. Doch die Exemplare auf dem «Weg der Seelen» zum Grabmal des Begründers der Ming-Dynastie und seiner Gattin in den Purpurbergen von Nanjing sind gut 600 Jahre alt und aus Stein. Die Fabeltiere können sich also seit langem nicht mehr entfernen, egal, wer im Reich der Mitte gerade herrscht. Die Bestien scheinen stets ein bisschen zu grinsen; ob sie wohl die Scharen von Selfie-verrückten Touristen mit den Prozessionen zur Ehre des Kaisers von damals vergleichen? Ernst wird es dann in der zweiten Hälfte des rund 600 Meter langen Wegs. Hier wachen zwei grimmige Krieger, zwei noble Priester und zwei ehrfurchtgebietende kaiserliche Beamte.

 

Kulturgut Brokatseide

Was heute zum Weltruhm Chinas in puncto historischer Stätten beiträgt, die Ming-Gräber in der Nähe Pekings, das wurde hier am Rand der Altstadt von Nanjing erfunden. Alle Elemente einer kaiserlichen Grabanlage wurden nämlich im 14. Jahrhundert an diesem Ort erstmals umgesetzt. Denn Nanjing – die südliche Hauptstadt – war lange vor Peking – der nördlichen Hauptstadt – politisches und kulturelles Zentrum des grossen Reichs. Und während in Peking oftmals die schiere Grösse der Monumente einen sprachlos werden lässt, haben jene in Nanjing vergleichsweise menschliche Dimensionen. Das macht die Stadt und seine Sehenswürdigkeiten zu einem idealen Ort für China-Einsteiger. Zudem ist alles mit der U-Bahn und Touristenbussen erreichbar, deren Haltestellen (und ihre Ticketautomaten) auf Englisch angeschrieben sind. Man kann Nanjing daher auf eigene Faust erkunden, Stadt- und U-Bahn-Pläne liegen in vielen Hotels aus.

Reich machte Nanjing zum einen natürlich die für Transporte ideale Lage am Jangtse. Zum anderen etablierte Kublai Khan um 1280 hier erstmals in China die Seidenweberei. Auch als die Kaiser längst in Peking residierten, blieb Nanjing das Seidenzentrum und belieferte den Hof und Gutbetuchte mit der hier am Jangtse entwickelten und einzigartigen handgewebten Brokatseide. Dabei werden neben den spinnwebenzarten gefärbten Seidenfäden auch hauchdünne Gold- oder Silberfäden eingearbeitet. Einen Einblick in die Produktionsweise inklusive einiger alter Seidenstoffe bekommt man im Silk-Museum nahe dem Präsidentenpalast.

Wenn man diesen am frühen Morgen besucht, gehören einem die Teiche, Tempelchen und Pavillons des alten Königspalastes und späteren Sitzes der Provinzregierung fast allein. Der Strassenlärm bleibt hinter der dicken Mauer – also einfach einmal den Audioguide abschalten und ziellos von einem der meist spärlich möblierten Räume zum nächsten Teich mit seiner Blumenpracht schlendern, auf einem Steinbänkchen einen Tee schlürfen und sich dabei ins alte China zurückversetzen. Auch das 20. Jahrhundert hat sich auf dem Gelände mit Bauten verewigt. Denn hier residierte die Regierung von Sun Yat-sen. Man kann noch seinen Arbeitstisch und sein Telefon bewundern.

Dr. Sun Yat-sen war der erste demokratisch gewählte Regierungschef Chinas nachdem der letzte chinesische Kaiser abgedankt hat. Er hat seine Wahl nur etwas über ein Jahr überlebt und ist an einem Krebsleiden verstorben. Er wird bis heute von den Chinesen hoch verehrt und jeder Chinese wird mindestens einmal in seinem Leben nach Nanjing und zum Mausoleum reisen. Für Chinesen ist Nanjing übrigens ein Top Reiseziel.

Wie sehr auch die Baumeister vor hundert Jahren noch den kaiserlichen Schönheitsidealen verpflichtet waren, zeigt sich bei Sun Yat-sens Mausoleum in den Purpurbergen. Weiss, monumental, von Steinlöwen bewacht und mit dem typisch geschwungenen Dach der Tempel thront es in einer Hügelflanke. Wenn man die Menge an Imbiss- und Souvenirbuden sieht, dann ist es offenbar die von den chinesischen Touristen am häufigsten besuchte Sehenswürdigkeit in Nanjing. Noch beliebter ist vermutlich nur das Areal um den Konfuzius-Tempel Fuzi Miao mit seinen Restaurants und Geschäften direkt an einem der durch die Stadt führenden Jangtse-Arme. Spontan hier einen Platz zum Abendessen zu finden, ist je nach Saison schwierig bis unmöglich.

 

Begehbare Stadtmauer

Ganz anders wuselig ist es im nur wenige U-Bahn-Stationen entfernten Universitätsviertel. Mit ein bisschen Glück findet man hier nicht nur gute und sehr günstige Restaurants, sondern auch das viktorianisch anmutende Haus, in dem die Schriftstellerin Pearl S. Buck als Universitätsdozentin lebte. Im ehemals den europäischen Kolonialmächten gehörenden Viertel hat zudem John Rabe gewohnt und hier die Schutzzone für Chinesen während des Einmarschs der Japaner 1937 errichtet. Mehr als 200 000 Nanjinger konnten so dem Massaker und den Massenvergewaltigungen entgehen. John Rabe und die Deutschen überhaupt sind bis heute in China sehr beliebt! Erschütternde Einblicke in die Greueltaten der Invasoren bietet das Massaker-Museum.

Natürlich ist auch das moderne China mit den in die Höhe strebenden futuristischen Glasbauten in Nanjing zu finden. In der Umgebung des Stadions für die Olympischen Jugend-Sommer-Spiele von 2014 warten breite, fast leere Boulevards und Plätze. Doch abends erwachen manche von ihnen zum Leben. Aus Lautsprechern scheppert Tanzmusik, Paare drehen sich im Walzer- oder Foxtrott-Schritt. Gäste sind willkommen.

Einen der Besichtigungstage sollte man unbedingt auf dem Südtor Zhonghua Men abschliessen. Man steigt langsam die ausgetretenen, vom Tag noch ganz warmen Stufen auf die Stadtmauer aus der Ming-Zeit, die kleine Schwester der grossen Chinesischen Mauer. Nun scheint man über der Stadt und ihrem Feierabendlärm zu schweben. Die östlich gelegenen Purpurberge flammen noch einmal im Licht der untergehenden Sonne auf. Die wenigen Getränkeverkäufer sind gegangen, unvermittelt hat man die grosse Terrasse für sich.

Fernöstlicher Friede.

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Ich bin Jahrgang 1970 und lebe seit 2014 in China. Seit mittlerweile über 20 Jahren bin ich Unternehmer und u.a. Gründer von ONEANDAHAHFMAN. Ich bin entschlossen und zielstrebig dabei meinen ganz persönlichen Traum wahr werden lassen – ortsunabhängiges leben und arbeiten. Schon früh entdeckte ich die Faszination des Reisens. Viele Auslandsaufenthalte in verschiedenen Teilen der Welt haben mich mehr und mehr für das Thema ´Ausland und Auswandern` sensibilisiert. Eine Option Ausland ist inzwischen auch Teil meiner eigenen Lebensplanung geworden.
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Ich bin Jahrgang 1970 und lebe seit 2014 in China. Seit mittlerweile über 20 Jahren bin ich Unternehmer und u.a. Gründer von ONEANDAHAHFMAN. Ich bin entschlossen und zielstrebig dabei meinen ganz persönlichen Traum wahr werden lassen – ortsunabhängiges leben und arbeiten. Schon früh entdeckte ich die Faszination des Reisens. Viele Auslandsaufenthalte in verschiedenen Teilen der Welt haben mich mehr und mehr für das Thema ´Ausland und Auswandern` sensibilisiert. Eine Option Ausland ist inzwischen auch Teil meiner eigenen Lebensplanung geworden.
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